LESENSWERT

Top-Artikel aus der aktuellen Ausgabe

Wir haben für Sie eine feine Auswahl an Meldungen aus dem großen Sonderteil "Galileo" und "Fragen & Antworten" zusammen gestellt.

Alles was neu, überraschend und wichtig ist.

Kosmischer Riesenkreisel

Jetzt wird es gruselig: Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen Roboter namens „Meshworm“ entwickelt, der seine Form verändern und auch durch kleinste Löcher schlüpfen kann. Zu-gegeben, noch handelt es sich um einen künstlichen Wurm, rund 15 Zentimeter lang und drei Zentimeter dick, der nur wenige Millimeter pro Sekunde vorwärts-kommt – aber der erste Schritt ist getan. Die Wissen¬schaftler bauten dem Wurm „Muskelschlingen“ aus einer Nickel-Titanium-Legierung ein. Wenn diese sich auf rund 70 Grad erhitzt, verformt sie sich und ermöglicht ein Zusammen- und Auseinanderziehen des Wurms. Totzukriegen ist der Kriecher kaum: „Wir haben ihn mit dem Hammer bearbeitet, ein Kollege ist sogar draufgetreten. Und der Wurm ist weiter-gekrochen“, berichtet Mitentwickler Sangbae Kim.

Wird heute noch mit Elektroschocks behandelt?

Psychiater und Neurologen halten große Stücke auf diese scheinbar grausame Therapieform, denn die wissenschaft¬lich erwiesene Wirksamkeit erreicht zum Teil die 98-Prozent- Marke. Bei der Behandlung akut selbstmordgefährdeter Patienten ist die Elektrokrampftherapie (so die korrekte Bezeichnung, kurz EKT) die erste Wahl. Ansonsten kommt sie zum Einsatz, wenn Medikamente nichts mehr nützen, etwa bei schwer depressiven, manischen oder schizophrenen Patienten. Auch bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson kann die EKT Wunder wirken. Man darf sich keine Folterkammer vor-stellen, wo sadistisch veranlagte Ärzte ihren Patienten unerträgliche Stromschläge unter die Zwangsjacken jagen. Heutzutage wird eine EKT unter Narkose durchgeführt – der Patient „ver¬schläft“ sie. Zusätzlich bekommt er ein Mittel zur Muskelent¬spannung, so dass der Anfall von außen gar nicht zu sehen ist. Das bei Laien schlechte Image von Elektroschocks stammt aus alten Zeiten. Da ließ man den Krampf relativ unkontrolliert ablaufen. Hinzu kommt, dass für die alte psychiatrische Schule die Patientenaufklärung keine große Rolle spielte, Elektro¬schocks fanden auch gegen den Willen der Kranken statt.


Kippen killen Parasiten

Zigarettenstummel, die achtlos weggewor¬fen werden, sind eine Umweltsünde, denn das darin enthaltene Celluloseacetat zersetzt sich erst nach vielen Jahren. Die Forscherin Isabel López Rull von der Nationaluniversität in Mexiko-Stadt beobachtete nun, dass immer mehr Vogelarten die Stummel zum Nestbau benutzen. Der Vorteil: Je mehr Zigaretten-kippen verbaut sind, desto weniger Parasiten befinden sich im Nest. Offenbar mögen sie die Tabakzusatzstoffe wie Ammoniumsalze nicht. Die Nester von Stadtvögeln, die Kippen als Baumaterial benutzen, enthalten bis zu 50 Prozent weniger Plagegeister. Und: Die Cellulose eignet sich auch als Dämmstoff.

Kosmischer Riesenkreisel

Welcher Himmelskörper rotiert am schnellsten? For¬scher haben einen Blauen Riesen entdeckt, der 25-mal größer als die Sonne ist, mit der 100.000-fachen Helligkeit strahlt und mit der Geschwindigkeit von 600 Kilometern pro Sekunde – oder zwei Millionen Kilometern pro Stunde – rotiert. Er bekam den Namen „VFTS 102“ und befindet sich im Tarantel-Nebel 180.000 Lichtjahre von uns entfernt. Die Entdecker sind erstaunt, dass er von den Fliehkräften nicht auseinandergerissen wird. Das ist aber noch nichts gegen den Pulsar „Ter5ad“, der sich pro Sekunde 716-mal um die eigene Achse dreht; das sind 70.000 Kilometer pro Sekunde und damit fast ein Viertel der Lichtgeschwindig¬keit. Ein Tag auf seiner Oberfläche dauert 0,00155 Sekun¬den. Klein, aber oho: Den Durchmesser des Pulsars im Sternbild Schütze, 34.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, schätzen Forscher auf lediglich 16 Kilometer.


Alkoholtest per Handy

Ein iPhone kann ja schon vieles – mit Aktien handeln und ein Kaminfeuer simulieren. Nun kann es auch den Alkohol-gehalt im Blut messen. Das Analysegerät „Alcohoot“ wird aufs Telefon gestöpselt. Der User muss Geschlecht und Gewicht eingeben, dann zeigt das Display nach einem Puster ins Röhr¬chen den Alkoholgehalt im Blut bis zur dritten Kommastelle an (z. B. 0,831 Promille). Die Erfindung beinhaltet auch einen Taxiruf-Service. „Die Menschen sollen nicht betrunken Auto fahren“, betont Jonathan Ofir, Tüftler hinter dem „Alcohoot“. Das Gerät gibt es in den USA für 99 Dollar (www.alcohoot.com).

Wer wirft denn da mit Panzern?

Die US-Armee hat einen Panzer in Auftrag gegeben, der mit dem Fallschirm über feindlichem Gebiet ab-geworfen werden kann, um die Boden¬truppen zu unterstützen. Das Projekt steht noch am Anfang, wie „Popular Science“ berichtet: Es gibt noch keine Zeichnung, keine exakten Pläne – aber es ist schon jetzt klar, dass der Neue mehr aushalten muss als sein unglücklicher Vorgänger, der „M551 Sheridan“. Der wurde 1989 bei der Invasion von Panama verwendet und war zu schwach gepanzert – sogar Maschinengewehrsalven drangen durch seine Aluminiumverkleidung. Die Gret¬chenfrage für den Nachfolger lautet: Gibt man ihm eine starke Panzerung und viel Feuerkraft auf Kosten seiner Beweglichkeit, oder macht man aus ihm einen leicht gepanzerten und auch nur leicht bewaffneten, aber dafür schnellen und wendigen SUV? Experten befürworten Letzteres.


Ein Baby am Sternenhimmel

Ist er nicht süß? Der Planet ist so jung, dass er noch gar nicht richtig fest gewor¬den ist und aus einer grellen Staubwolke besteht. Forscher der ETH Zürich um Astro¬nom Sascha Quanz entdeckten das unfer¬tige Objekt mit Hilfe des Very Large Tele¬scopes (VLT), das von der Atacamawüste in Chile aus den Himmel erfasst. Der Proto¬planet kreist um den Fixstern mit dem pro¬fanen Namen HD 100546 und ist derzeit etwa so groß wie Jupiter. Das Wunder der intergalaktischen Geburt findet rund 337 Lichtjahre von der Erde entfernt statt. Das Alter des noch namenlosen Protoplaneten: allenfalls ein paar 100.000 Jahre und damit im Vergleich zu den Milliarden Jahre alten Sternen und sonstigen Planeten ein echtes Baby. Auf jeden Fall kann er von leistungsstarken Teleskopen gut aufgespürt werden, denn je jünger ein Planet ist, desto heller und heißer strahlt er.

Schreiben als Luftnummer

Mögen Computer auch immer fortschrittlicher werden – das Tippen ist für viele Menschen eine Qual. Abhilfe kommt vom Karlsruher Institut für Technologie: Dort haben die Forscher einen „Airwriting-Handschuh“ entwickelt, der die eigene Handschrift erkennt, wenn man Buchstaben in der Luft schreibt; anschließend überträgt er das Geschriebene auf den Computer. Der Handschuh, noch am Anfang seiner Entwicklung, unterscheidet zwischen Groß- und Kleinschreibung und stellt sich auf die individuelle Handschrift ein.